Schokospione

Inzwischen ist der Text auf über 50 Seiten angewachsen und damit habe ich gut ein Viertel des Romans geschafft. Momentan bin ich im Flow, die Finger hüpfen  von einer Taste auf die nächste und gleich gehorsamen Soldaten marschieren die Buchstaben auf den Bildschirm, fügen sich aneinander und erzeugen Silben, die sich zu Worten ausdehnen. Und mit dem Worten schaffen wir gemeinsam eine neue Welt.

Es ist verzwickt. Obwohl ich diese Woche drei Artikel und das fünfte Kapitel fertiggestellt habe und die erste Szene des nächsten Kapitels gut steht, hockt die Angst auf meinem Schreibtisch. Lauernd blitzt sie mich aus verschlagenen Augen an. Wird es gut genug sein? Werde ich es fertig schreiben? Habe ich Ausdauer genug?

Ich habe mich mit Milkaschokoladen bewaffnet. Ich schmuggele sie immer hier ins Königreich, wenn ich aus dem Süden komme  – und wenn sie ausgehen, ähm jetzt ausgegangen sind, begnüge ich mich mit Toms  oder heißer Schokolade – und ermuntere mich selbst: Die Geschichte, die dich schon seit Jahren im Bann hält wird auch andere fesseln. Mit Schokolade geht diese Wahrheit leichter runter.

Und um diesem Ziel gerecht zu werden, kaue ich Schokolade wie Möhren  – das hilft gegen Winterdepressionen! – und jage mit der Löschtaste alle Adverbien und Adjektive, die im Text spionieren und dort nichts zu suchen haben. Entlarvt, flehen sie um ihr Leben. Das würde ich auch tun, aber natürlich  lasse ich keine Gnade walten. Der Text muss schlanker werden, auch wenn ich, um den Konflikten nicht auszuweichen, mit Schokolade mich millimeterweise erweitere und mehr Schlagkraft erhalte. Einer muss ja wachsen.

Mir geht es gut. In den Pausen lese ich „Little Bee“, den Bestseller von Chris Cleave. Ein atemberaubendes Buch, welches mich zum Lachen und Weinen bringt. Ein absolutes Buch für alle, die gesellschaftskritische Bücher mit einer einmaligen Sprache lesen wollen.

Ach ja, habe ich schon erwähnt, dass der neues Geck die Schokodiät ist. Das wäre vielleicht mal was für mich….

%d Bloggern gefällt das: