Der Duft der weiten Welt

978-3-426-51163-3.jpg.30160824Die Insel der Orchideen von Tessa White
Taschenbuch: 592 Seiten
Verlag: Knaur TB (2. November 2012)
ISBN-13: 978-3426511633
Preis Taschenbuch: 9,90 €

Schiffe aus aller Herren Länder, ein Singsang von Stimmen, schillernde Farben und berauschende Düfte.  Unter den Titeln des Genres Love & Landscape ist Tessa Whites schillernde Familiensaga vor dem asiatischen Hintergrund ein Insidertipp.

Ganz ehrlich. Ich habe „Die Insel der Orchideen“ ausschließlich wegen dem Cover und der Erwähnung von „China“ im Klappentext gekauft. Sobald ein Buch nur einen Hauch des Reiches der Mitte in mein Wohnzimmer bringen kann, bin ich mehr oder weniger geködert. Diesmal wurde ich positiv überrascht, denn Tessa White rollt das wechselvolle Schicksal der Hamburger Schwestern Johanna und Leah Uhldorff auf; eine Geschichte, die sich über 30 Jahre streckt. Alles fängt an, als die Familie 1858 auswandert, weil der Vater als Missionar nach China will.
Auf der Überfahrt verliebt sich Johanna, die älteste der Schwestern, in den Kaufmann Friederich von Trebow. Doch aufgrund der angegriffenen Gesundheit der Mutter muss die Familie die Weiterreise in Singapur unterbrechen, wo Leah, das schwarze Schaf der Familie, sofort voller Staunen in die schillernde und fremde Welt eintaucht; chinesische Freunde findet und viel Zeit mit dem Zeichnen der fremden Insektenfauna verbringt. Doch dann reist der Vater nach China und das Leben der Familie gerät vollends aus den Fugen.

Familiensaga mit explosivem Finale.
Tessa White verwickelt den Leser in eine rasante Geschichte. Emotions-Wechselbäder folgen Schlag auf Schlag: Krankheit, Entführung, Eifersucht, Intrigen, Tod, Liebschaften, Abenteuer und Katastrophen. 578 Seiten später, wenn der Leser das Buch nach dem explosiven und überraschenden Finale atemlos zuklappt, nimmt er nur schwer von den vertrauten Personen Abschied.
„Die Insel der Orchideen“ ist nicht nur eine Familiensaga vor dem Hintergrund fremder Länder. Die drei Generationen der Uhldorff Damen sind starke Frauen, die vor den Widrigkeiten des Lebens nicht den Nacken beugen, sondern ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Jede kämpft auf ihre Weise für ihr Glück.

Gut recherchierte Familiensaga
Ich habe das Buch gerne gelesen, weil „Die Insel der Orchideen“ nicht nur spannende Fiktion bietet, sondern ein gut recherchiertes Buch ist. Tessa White zeigt die Welt der Europäer in Singapur, die chinesische Enklave in der Stadt, und erlaubt dem Leser, sich in beiden Welten wieder zu finden. Rund ist der Roman, mit Wendungen und Spannungspunkten, und am Ende gibt es trotz des guten Endes offene Fragen, die der Leser selbst weiterträumen darf.
Das Buch ist mit Kartenmaterial über die wichtigsten Orte ausgestattet, so dass man der Odyssee der Personen folgen kann. Auch ein Glossar mit Erklärungen fehlt nicht.

Sprache
Sprachlich schafft Tessa White Stimmung, liest sich leicht und lässt dem Leser die Gefühlslage des Protagonisten entschlüsseln. „Die Insel der Orchideen“ ist flüssig geschrieben, mit nahtlosen Übergängen, und so meisterhaft, dass der Wechsel zwischen den verschiedenen Personen – Johanna, Leah, Friedrich und Henry – ohne Stolpersteine möglich ist. Ein Schmöker für alle an Fernweh leidenden Asienliebhaber.

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