Namen sind nicht nur Schall und Rauch

Die Biographien sind fast alle fertig. Es fehlen nur einige wenige Nebenpersonen, aber die brauche ich auch nicht bis zur Unterwäsche zu kennen. Einigen habe ich dann doch noch neue Namen verpasst, damit die Leser sich nicht die Zunge beim Aussprechen brechen.

Namen sind wichtig. Das sind sie nicht nur in der Bibel, der Mythologie und den Märchen. Derjenige, der den Namen kennt, hat Macht. Denken Sie doch einfach mal an Rumpelstilzchen. Als die Königin den Namen wusste, war sie gerettet. Sie hatte Macht über den Zwerg und der Bann war gebrochen.

Namen sind für Autoren auch wichtig.

Sie sollten zur Person passen und ihren Charakter ausdrücken. Ein Italiener wird wohl kaum Franz, sondern eher Francesco heissen, es sei denn, er hatte einen deutschen Elternteil. Oder er versucht seine italienische Herkunft zu verbergen.

Aber auch der Nachnahme kann viel über die Herkunft sagen.  Was hört man als Leser, was der Autor nicht explizit sagt. Was hören Sie bei dem Namen „Effi Briest“, wenn sie nur mal an diesen deutschen Klassiker denken? Der Name hat für mich sehr viel Leben, Lebenslust, aber auch Jugendlichkeit. Und ich höre auch ein bisschen „Biest“ im „Briest“

Dunkle Vokale fördern auch schwere Gedanken. So eignen sich Namen mit dunklen Vokalen vor allem für die Antagonisten oder aber schwermütige Personen.  Überlegen Sie, was andere mit dem Namen assoziieren werden. Ein Bekannter, adoptiert und dunkelhäutig, hat einen typisch dänischen Namen. Als er Arbeit als Ingenieur suchte, wurde er gerne zum Gespräch gebeten, weil sein Name so dänisch war, dass niemand einen Menschen mit einer anderen Hautfarbe dahinter vermutete. Aber sobald Simon durch die Tür trat, waren seine Karten schlecht. Er bekam Arbeit, aber erst nach vielen Kämpfen und Gesprächen.

Einige Namen meiner Protagonisten standen von Anfang an fest. Doch andere mussten um der Lesefreundlichkeit und wegen der Biographie der Person ausgetauscht werden. Da war die Wahl nicht immer leicht. Vor allem, wenn möglichst alle Namen mit einem anderen Buchstaben anfangen sollten. Auch das erleichtert dem Leser die Identifikation.

Nehmen Sie sich ein Telefonbuch und phantasieren Sie ein wenig mit verschiedenen Namen.

Wer ist Fritz Hauser? Oder Majbritt Frederiksen? Wer ist Mae Lee? Wer sind  Anna Mayer oder Wioletta Danlowski? Haben Sie darüber schon mal nachgedacht? Was machen sie? Wie sehen sie aus? Wovon leben sie? Woher kommen Sie? Welche Ausbildung haben sie? Welche Hobbys haben sie? Was essen sie gerne?

 

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