Felicity Whitmore: Der Klang der verborgenen Räume. Das Buch lag lange in meinem Regal. Monatelang. Es gab so viele andere Titel, die erst gelesen werden mussten, Arbeit, die erledigt werden musste und Alltäglichkeiten, die sich dazwischen drängten. Aber das Cover und der Klappentext ließen mich trotzdem nicht los. Als ich diese Woche mit einer Grippe im Bett lag, holte ich es mir unter die Decke – und ich habe es nicht bereut.

„Der Klang der verbotenen Räume“ ist die Geschichte von Nina und ihrer Ahnin Anna Stone. Beide teilen die Leidenschaft zur Musik, sind deutsch-britischer Abstammung, sie ähneln sich äußerlich zum Verwechseln und beide haben Menschen verraten, die ihnen vieles bedeuten.

Unglaublich geschickt webt die Autorin die Geschichten und handlungsstränge aus den verschiedenen Jahrhunderten zusammen: die Geschichte von Anna Stones Mutter Marianne auf dem rheinländischen Gut Reichholz um 1830, das Schicksal ihrer Tochter Anna Stone in London und den Cotswolds um 1850, und dann die Geschichte von Nina heute.

Ich will hier nicht spoilern. Die Erzählung ist dramatisch. Freundschaft, Leidenschaft, Verrat, Machtmissbrauch und Manipulation – alles findest du auf diesen Seiten. Es ist die Geschichte der patriarchalen Macht, wo Männer, auch die Guten, immer und immer wieder über das Leben der Frauen bestimmen. Frauen existieren für die Männer, werden von ihnen gebraucht und missbraucht, denn sie sind ihr Eigentum.

Dieses Buch im Kielwasser des Internationalen Kampftages der Frauen zu lesen, hat mich persönlich sehr gerührt.

Da ich vom DTV Verlag gewohnt bin, dass die historischen Fakten korrekt recherchiert sind, gehe ich davon aus, dass es auch hier so ist.

Trotzdem hat es mich gewundert, dass eine Frau (Anna), das Gut nach ihrem Großvater erben konnte, und zwar um 1850. Aber gut, ein männlicher Verwandter war ihr Vormund.

Ob es meinem Fieber anzurechnen ist oder ein Fauxpas der Autorin. Anna Stone soll vor ihrer Hinrichtung ein Kind geboren haben – doch die Geschichte hört mit ihrer Verhaftung auf. Dass sie schwanger war, erfahre ich nicht szenisch. So frage ich mich, wer das Kind aufgezogen hat, wo es gelebt hat und wie lange es evtl. mit seiner zum Todes verurteilten Mutter zusammenleben durfte. Diese Information fehlt mir.

Ansonsten ein spannender historischer Schmöker mit vielen unerwarteten Wendungen.

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