Erst in der Nacht sieht man die Sterne.

Dieses Wort von Chiara Lubich, der Gründerin der Focolare Bewegung, berührt mich tief. Heute Morgen war so ein Tag. Als ich zum Bäcker ging, schimmerten über mir die Sterne, so hell und klar, wie man sie selten sieht in Kopenhagen. Es war ein Geschenk.

Jeder von uns durchlebt dunkle Zeiten. Das können Zeiten sein, wo du dich unzulänglich fühlst, abkassiert, unnütz, nicht salonfähig, nicht länger geliebt oder geschätzt oder wo dir einfach das Wetter auf die Stimmung schlägt. Oder du kämpfst mit einer Krankheit, Arbeitslosigkeit, trauerst um liebe Menschen oder gute Beziehungen, die zerbrechen und begraben werden müssen.

Nicht immer kannst du etwas gegen die Dunkelheit über und in dir machen. Manchmal gibt es nur einen Weg: Du hältst diese Zeiten einfach aus. Und du versicherst dir Schritt für Schritt, dass du daran glaubst, dass irgendwann auch wieder die Sterne über deinem Kopf glitzern werden – und später die Morgenröte.

Ich habe solche Perioden in meinem Leben, aber auch in meinem direkten Umfeld erlebt. Zeiten, wo ich nicht daran glauben konnte, dass sich doch noch alles zum Guten wendet – für mich oder für einen Menschen, den ich liebe. Dass es doch noch Licht am Ende des Tunnels gibst oder einen funkelnden Sternenhimmel über meinen Kopf. Dass das Leben im allgemeinen und besondere Menschen es doch gut mit mir meinen.

Momentan ist die Nacht wieder schwarz, Wolken haben sich vor die Sterne geschoben, und es ist dunkel. Sehr dunkel. Skandinavisch dunkel, obwohl unser Tag jetzt schon wieder 20 Minuten länger geworden ist.

Vielleicht erlebst du diese Machtlosigkeit, diese Dunkelheit auch – in deinem Privatleben oder aber deinem Schreibprozess.

Inzwischen weiß ich, dass das, was ich in dunkelster Nacht aushalte oder anfange, schlussendlich immer am schönsten wird. Aber das erfahre ich erst, wenn die Nacht vorbei ist und die Morgenröte den Himmel rosa färbt. Solange die Nacht währt, mit oder ohne Sterne, ist es einfach nur schwer. Dunkel. Kalt. Einsam. Hoffnungslos für viele.

Ich wünsche dir, an diesem Sonntag, wo wir in Dänemark Dreikönige gefeiert haben, ein funkelndes Firmament über deinem Kopf. Und solltest du vor lauter Dunkelheit das Glitzern und das Schimmern und das Licht über dir nicht sehen können, dann wünsch ich dir, dass du inmitten der Nacht an das Licht glaubst. Dass diese Zuversicht dich trägt. Durch alle Zeiten, und dass Menschen da sind, für dich, die dich begleiten. Die Könige waren auch gemeinsam unterwegs.

Denn erst in der Nacht sieht man die Sterne. Und wenn sie leuchten, dann ist unsere dunkle Welt wieder schön. Und ein wenig heller. Ein wenig hoffnungsvoller.

2 Comments on “Das Funkeln der Sterne

  1. Was für ein wunderschöner Artikel! Und wie gemacht für meinen Morgen, der nach einer unruhigen Nacht folgte, in der ich Angst hatte zu versagen und nichts mehr auf die Reihe zu bekommen! Danke, mein Schwesterherz

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