Kira hat das Leben satt und zwar dicke. Deshalb beschließt sie, es zu beenden. An ihrem Geburtstag im nächsten Monat. Bis dahin will sie allerdings noch eine gute Tat vollbringen. So hat ihr Leben auf diesem Planeten wenigsten etwas Gutes gebracht.

Kira entscheidet sich, Rückenmark zu spenden. Wegen des geplanten Suizids lehnt sie jeden Kontakt zum Patienten, der ihr Rückenmark bekommt, ab.

Doch Robin, der durch ihre Spende die Möglichkeit zu einem neuem Leben erhält, will seine Spenderin kennenlernen. Gemeinsam mit seinem Bruder Sam und einen doch recht gutem Karma gelingt es ihm, Kira ausfindig zu machen. Und das, was dann kommt, könnte einer guten Hollywoodschnulze ähneln, wenn es nicht so bitter ernst wäre.

Die Autorin hat wunderbare Figuren geschaffen, die sich dem Leser sofort einprägen und die er so schnell nicht vergisst. Kira, die sich ganz alleine durch die Ohnmacht einer Depression kämpft, und Robin, der mit seiner Familie gegen den Krebs kämpft.

Ich bin beeindruckt von den jungen Helden, die abwechselnd in der Ich-Perspektive erzählen. Sie sind authentisch und stark und … na ja, ich werde nicht erzählen, ob Kira es schafft, ins Leben zurück zu kommen.

Die Autorin Anne Lück, die selbst Krankenschwester ist, hat ungeschminkt gezeigt, wie ein Mensch mit Depression sich fühlt: ohnmächtig, leergesaugt, passiv und antriebslos.

Und genauso schonungslos zeigt sie die Verantwortungslosigkeit der Umwelt, die nur das sieht, was sie sehen wollen und denen Kira gekonnt aus dem Weg geht.

Der krebskranke Robin lebt in einer anderen Welt als Kira. Kira hat niemals Liebe erfahren, während Robin von Liebe umgeben ist. Er will seine Familie beschützen, und später auch Kira. An sich selbst denkt er nicht oft, obwohl er nur einen Wunsch hat: Wieder ein normales Leben zu führen.

Ich habe das Buch verschlungen. Nicht nur die Figuren werden mir noch lange präsent bleiben, sondern auch das Anliegen der Autorin. Ohne den moralischen Zeigefinger zu bemühen, kann man als Leser diese Kategorie von Büchern nicht einfach wegschmökern. Sie verändern einen. Sie rufen uns in die Verantwortung.

Im Prinzip geht es um eins: Wir sind füreinander verantwortlich. Und ein Mensch kann so viel mehr tragen, wenn er Menschen um sich hat, die mit ihm tragen. Zum Leben braucht es Fürsorge, Liebe, Empathie.

Somit ist dieser Titel nicht nur eine anrührende Liebesgeschichte für Young Adult, sondern auch eine Mahnung an einen jeden von uns: Sei Mitmensch. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, zwei Leben zu retten – deins, denn nur als Mitmensch bist du Mensch und das der Menschen, die deinen Weg kreuzen.

Anne Lück: Von der Wahrscheinlichkeit, zwei Leben zu retten.

2 Comments on “Von der Wahrscheinlichkeit, zwei Leben zu retten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: