Das Buch Love Taste 1- Geheimzutat Liebe aus der Reihe Die Köche von Boston von Poppy Anderson ist eine luftig leichte Liebesgeschichte. Vom Aufbau und der Komposition der Geschichte können kommende Unterhaltungsautoren von der Schriftstellerin einiges lernen.

Neulich hatte ich Lust auf einen flockigen Liebesroman, der nicht viel von mir forderte, aber mir Entspannung und Lachen versprach. Ich wählte Poppy J. Andersons Taste of Love 1, weil mir Bücher über Köche gefallen und das Cover einfach Lust auf die Geschichte machte.

Wer ist Poppy J. Anderson?

Wer die Autorin nicht kennt: Poppy wurde bekannt als Selfpublisherin. Sie hat sich in zahlreiche Herzen mit ihren oft in Amerika spielenden Liebeskomödien geschrieben und war die erste Autorin bei Amazon, die eine Millionenauflage erreichte. Bisher habe ich nur einige Bücher von ihr gelesen. Diesmal war ich gespannt, ob ihr Stil sich sehr verändert hatte, nachdem sie jetzt auch als Verlagsautorin bei Bastei Lübbe schreibt.

Für mich war Taste of Love das beste Buch von Poppy Anderson. Aber wie gesagt, ich kenne immer noch nicht alle Titel. Wenn man den Roman als Lektorin betrachtet, dann gefällt mir der geniale Aufbau der Geschichte. Und darum geht es in diesem Blogbeitrag.

Nomen est omen – oder die Wirkkraft der Namen

Seit Effi Briest, den Roman von Theodor Fontane, den ich in der Oberstufe las, weiß ich, wie bedeutungsvoll Namen für Autoren sind. Auch bei Taste of Love ist die Wahl der Namen ganz offensichtlich. Poppy Anderson hat sie den Personen wirklich auf den Leib geschrieben. Also die Helden heißen: Brooke Day und Andrew Knight.Schließen Sie doch einen Augenblick die Augen und stellen Sie sich die Personen vor.

  • Wen sehen Sie, wenn sie Brooke Day hören?
  • Wie stellen Sie sich einen Andrew Knight vor?
  • Welche Assoziationen kommen Ihnen?

Bitte nicht weiterlesen, wenn Sie das Buch noch lesen möchten. SPOILER!

Die Cinderella Brooke Day aus Taste of Love

Fangen wir mit Brooke Day an. Die talentierte Hobbyköchin versucht das marode Restaurant ihrer Eltern zur retten. Marode ist das Crab Inn allerdings nur in der Bausubstanz. Exquisit ist die Küche, die Spezialitäten Neuenglands anbietet, und atemberaubend ist die spektakuläre Aussicht auf den Pazifik. Ein Makler würde sagen, dass diese Immobilie Potential hat. Nur haben Brooke und ihre Eltern keine finanziellen Möglichkeiten, um das Objekt voll auszuschöpfen. Sie kämpfen ums Überleben.

Brooke hat so viel zu tun, dass sie vor lauter Arbeit die Aussicht nie genießen kann. Sie ist ausgepowert, weil sie alles tut, um ihre Eltern zu entlasten, denn ihre Mutter leidet an Niereninsuffizienz.

Brooke steht aber auch an einem Scheideweg – sie ist „gebrochen“ (Brooke), nachdem ihre Beziehung zu ihrer Jugendliebe zerbrach oder eher langsam einschlief. Sie liefert dem Leser also das ganze Programm: Volle Pleite sowohl im Privatleben als auch im Job. Unter diesem Druck gibt sie sich oft kratzbürstig und vertuscht damit ihre Verletzlichkeit.

Andrew Knight – reicher und sensibler Schnösel 

Brooke sagt, er ist ein Großstadtsnob. Andrew flunkert ein wenig, als er mehr erzwungen als gewollt in Brookes Gasthaus eine Auszeit machen muss, weil sein Auto in der Werkstatt steht. Er ist einem Burn out nahe. Der gefeierte Starkoch aus Boston hat bei all der verfeinerten Haute Cuisine die Lust und Begeisterung für das Kochen verloren. Er ist auf der Suche nach Inspiration, neuer Energie und möchte seine innerste Leidenschaft wieder entfachen. Andrew stellt sich der gestressten Brooke als Drew vor. Er ist ein Getriebener, der Rast in ihrer Küche findet.

Taste of Love  – das ist Liebesgeschichte pur.

Romantik pur. Reicher Schnösel findet armes Mädchen. Aber Andrew ist in all seinem Reichtum unendlich arm, weil er sich die Liebe seines Vaters und seine Bewunderung erarbeiten muss.

Denn so macht man das in Andrews Familie. Nur dass er das mit dem Kochen einfach nicht schafft. Koch ist kein respektabler Job für seinen juristischen Clan aus der Zeit der Gründerväter Neuenglands. Auch als Besitzer einer renommierten Starküche für die High Society von Boston wird er von seinen Eltern nicht wahrgenommen.

Brooke ist finanziell gesehen sehr gebeutelt. Aber sie ist reich an Zuwendung und Fürsorge von ihrer Familie, Freunden und den Menschen, die mit ihr an der Küste siedeln. Sie darf sich als diejenige entfalten, die sie ist, und sie hat ein liebevolles Team rund um sich.

Welche Ziele verfolgen die Figuren?

Andrew möchte von seinem Vater gesehen werden. Darum bemüht er sich, jemand zu sein. Das kann man prima mit einem Restaurant, wo Gäste nicht unbedingt satt werden, aber kulinarische Geschmacksknospen aktiviert bekommen, von denen sie gar nicht wussten, dass sie existieren.

Brooke will das Crab Inn, das wunderbar gelegene und mit der gut bürgerlichen Küche Neuenglands ausgestattete Restaurant ihrer Eltern retten. Sie sehnt sich nach einer dauerhaften Beziehung – und dass ihre Mutter gesund wird.

Taste of Love ist Disneyworld pur – Cinderella findet ihren Prinz

Und wie geht dieser Roman aus? Finden Schnösel und Cinderella sich? Natürlich. Nach vielen Irrungen und Wirrungen heiraten Andrew und Brooke. Ihr Restaurant – das neu restaurierte Restaurant – heißt dann Day & Knight.  Denn Tag und Nacht sollen sie jetzt zusammen sein. Bis der Tod sie scheidet. So wie Brooke wieder Licht in die Depression und den Burn out von Andrew gebracht hat, so dient er ihr mit den Millionen, um das Restaurant ihrer Eltern weiter zu führen.

Das ist Disneyworld pur. Und wir lieben es, weil wir alle von diesen Stereotypen geprägt wurden. Alles in allem hat die Autorin die Geschichte bis ins Feinste durchkomponiert. Wie ein gut geschriebenes Musikstück.

Was bleibt offen?

Trotzdem hätte ich noch Fragen an die Autorin:

  • Warum ist Tante Daisy wichtig für Andrew? Man hat fast das Gefühl, sie ist seine Ersatzmutter und PR-Managerin.
  • Welche Krankheit hat Brookes Mutter eigentlich? Wenn es um Niereninsuffizienz geht, wird ein Ende der Dialyse wohl nicht abzusehen sein. Dann wird ihr Vater niemals mehr Zeit haben, sich im Crab Inn zu engagieren. Wenn es um eine regelmäßige Dialyse gehen würde, ohne Ende, frage ich mich, warum Brooke sich so für das Restaurant einsetzt. Aus Brookes Sorgen glaubt der Leser aber eher, dass es sich um Krebs handelt oder einen Tumor.

Was kann ein Autor lernen, wenn er dieses Buch liest? 

Ganz einfach: Den eigenen Roman noch mal tunen und straffen. Und sich gute, aussagekräftige Namen überlegen. Sich bewusst von Stereotypen inspirieren lassen.

Brauchen Sie Hilfe beim Plot?

Sind Sie festgefahren?

Dann schauen Sie gerne auf meiner Webseite vorbei. Ich freue mich auf Ihren Besuch.

http://www.lektoratderrotefaden.de

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