#Schreibtipp

5 Comments on “#Schreibtipp

  1. Merkwürdig, wie oft man einen Satz hören, lesen, selbst verwenden kann, bevor man beim X-ten Mal plötzlich stolpert: Was genau ist eigentlich eine Handlung, wenn alles, was wir davon in einem Buch zu sehen bekommen, Worte sind, die sie beschreiben bzw die behaupten, Handlung zu sein? Sicher, man kann näher ans geschilderte Geschehen rangehen – „Was für ein Satz! Mit dem Gedanken knallte die Teetasse auf die Tastatur, Verdammt! Ich stürzte los, stieß mich an der Dachscräge, holte mir blaue Flecken am Arbeitstisch, schnitt mich an erstaunlich scharfen Kartonkanten, doch am Ende wurde ich fündig: die Ersatztastatur …!“ – oder kann ein bisschen mehr spielen „als ich den Satz las, die Teetasse knapp auf der Höhe meines Mundes, fiel mir alles aus dem Gesicht, inklusive der Tasse, und die Tastatur war ruiniert. Wie sollte ich nun meinen Kommentar schreiben? Wie eine wilde Furie durchsuchte ich die unkartierten Ecken des Arbeitszimmer meines Mannes, also das Gebiet um seinen Arbeitstisch herum, wo sich all das sammelt, was für Keller und Müll zu gut ist, aber ansonsten keine klare Bestimmung hat. Achtlos folgen Kartons durch die Gegend, wenn sie mir im Weg waren. Irgendwo da ganz unten, ganz hinten, mussten sie sein. Hier? Nein, das war nur ein Tatsturkarton, voller Kabel? Dort? Nein, das muss mal eine gewaltige Grafikkarte enthalten haben. Ah, da, da sind sie ja, die alten Tastaturen! Ich trug sie zu meinem Rechner. Und wirklich, die zweite der drei funktonierte. Endlich konnte ich loslesgen“ – kann mich auch immer weiter entfernen, meine Figur hinterher im Rückblick erzählen lassen, etwa, wenn die Putzfrau kommt und auf einem der Kartons ausrutscht oder noch später, wenn die Ich-Erzählerin am Abend aus dem Krankenhaus, in das sie die Putzfrau deswegen brachte, kommend, ihrem Mann von dem Satz und seinen Folgen erzählt, etc. etc. Lässt sich entscheiden, per se, was besser ist, oder ist das nicht relativ? Komtt’s nicht auf den Kontext an? Und, wie gesagt, am Ende ist doch alles, was bleibt Behauptung, Beschreibung, eben Sprache, die vorgibt Handlung zu sein.

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    • Hallo Mischa,
      ja, alles ist Sprache, da hast du vollkommen recht. Trotzdem erlebe ich als Leser, dass mich eine Sprache, die vorgibt Handlung zu sein, oft mehr (ver)lockt. Das mag an unserer Zeit liegen, an der visuellen Welt, in der wir alle leben. Wir sind schnelle Bilderfolgen gewöhnt. Ein Roman (der handlungsgesättigt sein soll und nicht ein literarischer Schmöker!), holt mich als Leser in eine illusorische Welt. Und mit der Handlung wird diese einfach greifbarer. Die Frage ist, ob man überall Handlung braucht. Und ob man als Autor diese Illusion schaffen will. Darüber hinaus ist der Spagat auch, dass man den Leser nicht mit unnötiger Handlung langweilt! Ich wünsch dir einen guten und handlungsfrohen Tag in den Süden.

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      • Danke 🙂
        Ich kann und will gar nicht entscheiden, ob ich es vorziehe, wenn es einer Geschichte gelingt, mich vergessen zu lassen, dass alles Erzählte nur dank des Erzählens existiert und letztlich rein auf dem Zusammenspiel aus Sprache (des Autors) und Imagination (des Lesers) beruht – oder, ob ich es nicht im Gegenteil womöglich noch mehr liebe, wenn mir dabei gleichzeitig die Sprache als wunderbares, wandelbares Medium bewusst wird. Oft hängt das von Launen ab – es ist einem ja auch nicht immer nach Erdbeerkuchen zumute, gelegentlich muss es ein Käsebrot (oder Spargelrisotto oder … oder …) sein -, ob ich lieber in eine Geschichte hineingezogen werden/hineinziehen und zusammen mit dem Autor/als Autor mit der Sprache spielen möchte. Und das Ideal (ein mögliches solches jedenfalls) eines gelingenden Drahtseilaktes, bei dem der Autor es schafft, zugleich mit der Geschichte (der Handlung, den Figuren, der Atmosphäre, etc.) zu verzaubern als auch mit der Sprache spielen, dürfte sehr selten glücken. 😉 Jedenfalls freue ich mich, dass Dein Blog mich auf solche Gedanken bringt 🙂

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