Hallo liebe J.,

du hast mir die Frage gestellt, welche Bücher für mich wichtig sind. Und zu Recht hast du gesagt, das solche Fragen schwer zu beantworten sind. O ja, würd ich sagen, sehr sehr schwer.

Dann hole ich mal aus … ich hoffe, du sitzt gut, denn es wird etwas länger dauern. Inzwischen sehe ich, dass es immer mal wieder Perioden in meinem Leben gab, wo bestimmte Genres oder Autoren mich ganz fest an die Hand genommen haben. Einige Bücher haben mir sogar das Leben gerettet, indem sie mir Mut, Ausdauer und Lebenslust geschenkt haben.

Und was jetzt kommt, könnte ein Klischee sein, wenn es nicht wahr wäre … Das wichtigste Buch für mich – ich bin Theologin und Religionswissenschaftlerin – ist immer noch die Bibel. Das war schon in meiner Kindheit so und so ist es heute noch.

Mein Mann gebraucht mich oft als Nachschlagewerk, wenn es um Bibelzitate geht, er meint, ich sei schneller als Google. Das ist Quatsch, aber meine liebsten Stellen kenne ich gut. Aber ich lese die Bibel nicht mehr so viel wie früher.

Danach kommen die Werke von Teresa von Jesus, auch bekannt als Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz und Therese von Lisieux, Elisabeth von Dijon.

Tja, aber ich glaube, du hast mehr an Belletristik gedacht? Nun, wenn du mich kennenlernen willst, gehört die ganze Packung dazu.

Bücher waren für mich Überlebenstraining. Ich bin heute taub auf einem Ohr und schwer hörbehindert auf dem anderen. Als das Gehör in meiner Kindheit nachließ, waren die Bücher mein Rettungsanker in einer komplett unverständlichen Welt. So habe ich mich nie alleine gefühlt und noch heute reise ich lieber mit einem Koffer Bücher als Kleider. Ich bin deshalb ein Fan von E-Büchern. Das ist Rückenschonend, wichtig in meinem Alter. Und so habe ich immer genug Lesestoff – anders als wir mit dem Motorrad Urlaub in Belgien machten und ich nur ein Buch mit nehmen durfte, weil wir nur zwei Seitentaschen hatten. Ich bin fast gestorben, nicht auf der Autobahn, sondern in der Freizeit, wo ich nicht auf dem Motorrad sass..

Als ich Teenager war hab ich viel Simmel gelesen, Vom Winde verweht und Pearl S. Buck. Ich habe mich über die Hintertreppe der Bücherei in die Erwachsenenabteilung geschlichen, weil Kinder und Jugendbücher mir langweilig waren. immer, wenn die Bibliothekare kamen, hatte ich Angst, dass sie mich nach unten jagen würden.

Eigentlich habe ich Lust, einige dieser Bücher wieder zu lesen, einfach nur um zu sehen, wie ich sie heute fände. Ich habe Goldköpfchen geliebt und die Elke Bücher gehasst – warum weiß ich nicht. Denn der Inhalt war ja fast der Gleiche.

Meine Krimiphase: Also Elizabeth Goerge habe ich auf lange Busfahrten von Flensburg nach Sonderburg verschlungen. Damals arbeitete ich sowohl als Krankenhausseelsorgerin und in der Bücherei. Ich habe auch Charlotte Link geliebt (und lese sie immer noch gerne, aber oft erst einige Jahre später als die anderen Fans). Mary Higgins Clark hat mich sehr lange begleitet – und gerade letzte Woche habe ich noch mal ein Buch von ihr gelesen.

Jodi Picoult, Judith Lennox und Kate Morton sind meine ganz großen Favoriten.

Als ich nach Dänemark zog, habe ich viel skandinavische Literatur gelesen, u.a. auch um das Land, die Leute kennen und lieben zu lernen und mich hat fasziniert, wie Schriftsteller dieses nordische Lebensgefühl einfangen.

Damals habe ich so viel davon geredet, dass mein Mann Ohrenschmerzen bekommen haben muss. Wichtig war für mich in der Zeit Marianne Frederiksson, Herbjörg Wassmo, Kerstin Ekmann, das ist Skandinavien pur.

Dänische Krimis, wo ich die Straßen Kopenhagens, die lokalen Nachrichten und auch die Mentalität aufspüre, sind auch klasse. Jussi Adler Olsen zeigt dir das Dänemark, wo ich lebe und die Geschäfte, die ich fast jeden Tag sehe. Und letztens habe ich zwei Bücher von Gretelise Holm gelesen – wunderbar, das ist dänische Lebensfülle pur.

Diese Autoren haben ganz viel bedeutet und haben mich inspiriert: Titus Müller, Charlotte Lyne (Carmen Lobato) Die Glocken von Vineta, Weil sie das Leben liebten und Sie werden nicht vergessen sein. Christoph Ransmayr mit Die letzte Welt.

Taschentücher vollgeheult habe ich bei Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr und gerade dieses Buch hat mich wirklich als Gläubige herausgefordert. Die Welt ist nicht schwarz-weiß und wie soll man in einer solchen Situation die richtige Entscheidung treffen?

Taschentücher auch bei Kristin Hannah Wie ein Stern in der Nacht und Die Nachtigall. Luanne Rice: Ein zitronengelber Sommer – so aktuell nun, wo Trump die Mauer bauen will, denn es geht um illegale Migranten in den Staaten. Sehr berührend.

Die Bienenhüterin von Sue Monk Kidd und Jan Philipp Sendker Das Herzenhören

Kelly Rimmer „Mig uden dig“ – das Buch gibt es bisher nur auf englisch (ganz warm anempfohlen, wunderschön, wenn du ein gutes Buch auf Englisch suchst. … Alicia Bessette Weiß der Himmel von dir…

Ja, ja, ich habe meinen Level schon überzogen, also mache ich weiter …

Niceville!

Erebos – das Buch hat mich atemlos gemacht. Falls du es nicht kennst, dann los.

Von den Klassikern haben mir Aimatow Dshamilija und Kristin Lavranstochter sehr sehr viel bedeutet.

In den letzten Jahren haben mich die Bücher von Anja Jonuleit berührt, alle, aber besonders „Rabenmütter“.

Momentan bin ich noch dabei Anthony Doerr zu entdecken – seine Sprachgewalt macht mich süchtig.

Linn Ullmann – Gnade, ein Buch, das mich immer wieder fasziniert. Und ich mag viele der Bücher von Carla Federico, die Ken Follett Trilogie.

Nun, ich bin ein Mensch, der immer ungelesen Bücher hat, sicher bis an die hundert … ich bekomme sehr viele Rezensionsexemplare und lese daher oft auch Titel, die ich niemals selbst gekauft hätte und muss meine Favoriten warten lassen. Und die mir unbekannten Rezensionsbücher werden meine Freunde, so wie Sweetgirl, das ich gerade verschlungen habe. Im letzten Jahr war das Agnès Ledig: Das Einzige, was jetzt noch zählt. So schön, so einfach, so kraftvoll, so authentisch und berührend.

Tja, ich denke, ich sollte aufhören. Gioconda Belli – Die bewohnte Frau habe ich dir ja schon genannt.

Ach ja, meistens gebe ich Bücher schnell weiter, aber es gibt einige, die ich bisher immer mit umgezogen habe, auch wenn ich sie sicher die letzten zwanzig Jahre nicht mehr gelesen habe: Harriet Goldhor Lerner: Wohin mit meiner Wut und Zärtliches Tempo.

Henri Boulad, ein ägyptischer Priester mit Die Vernunft des Herzens. Ich habe es zum ersten Mal mit 17 gelesen und dann noch unzählige Male. Sein Gottesbild hat mich sehr geprägt und es ist heute aktueller als jemals zuvor.

So und jetzt höre ich auf.

In einer Zeit, wo ich persönlich an meine Grenzen kam, hat mir das Buch über das Glück daheim von Gretchen Rubin geholfen. Eben in dem glücklich zu sein und zu leben, wo ich bin. Mit dem Ton zu arbeiten, den ich nun mal in der Hand halte. Ich denke, so werden meine Freunde mich beschreiben.

Joshua Becker: Minimalismus – The more of less und Simplify … Nur bei den Büchern klappt das noch nicht so ganz mit dem Minimalismus. Und bei dicken Wollpullis auch nicht.

Noch ein schönes Buch, das Lust auf Urlaub, Champagner und anderes macht ist Yvonne Jarré Ein kleines Stück Paris

Hat es dich erschlagen? Ich denke du hast jetzt einige Anregung für kommende Lesenächte. Viel Vergnügen!

Deine Eva Maria

 

P.S. Die meisten Bücher habe ich hier rezensiert.

PP.S Und was liest du gerade? Welches Buch war dir wichtig?

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