Es ist kalt geworden in Kopenhagen. Die Mütze tief in der Stirn, den Schal mehrmals um den Hals gewickelt, warte ich morgens auf die S-Bahn. Heute entdeckte ich, dass meine Handschuhe ein Loch am linken Daumen haben. Nun gut, es sind nicht besonders wertvolle Handschuhe. Sie sind schon knapp zehn Jahre alt und wurden jeden Winter fast ausschließlich benutzt.

Sie sind warm, in einer doppelten Lage gestrickt.  Ich trage sie immer, sogar wenn sie nicht zur Jacke passen. Dagegen kamen sogar keine besonders funktionstüchtigen Handschuhe aus dem Schiladen an oder mit Kaninchenfell gefütterte Fäustlinge. Denn eigentlich habe ich einen Korb mit Handschuhen, Mützen, Schals – immerhin lebe ich im Norden. Aber die besten Handschuhe sind die gestrickten. Die alten.

Diese Handschuhe sind etwas Besonderes.

Sie sind warm, ja, aber sie sind noch viel mehr. Sie sind ein Geschenk meiner Freundin Marianne, die vor drei Jahren an Krebs starb.

Diese Handschuhe sind für mich das Symbol all dessen, was wir miteinander erlebt haben, was sie mir geschenkt hat an Mut, Zuversicht und welches Vertrauen ins Leben sie mir zugeflüstert hat. Diese Handschuhe anzuziehen bedeutet fast so viel wie Arm in Arm mit ihr durch die Straßen zu schlendern.

Das Loch ist da.

Das ist eine Tatsache. Genauso wie Marianne tot ist. Aber selbst wenn der Handschuh eines Tages nicht mehr brauchbar ist, dann bleibt die Erinnerung an diesen wunderbaren Menschen, der ganz viel Wärme in mein Leben gebracht hat.

Danke, Marianne, für die Handschuhe und für so viel anderes. See you again!

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