Voilà „Ein kleines Stück Paris“ – nur für Sie

Kennen Sie dieses Gefühl, dass Sie ein kleines Stück Ihres Urlaubs mit nach Hause nehmen wollen? Etwas von der Stimmung einzupacken und konservieren? Sand vom Strand, Muscheln, Steine, einen guten Wein, eine DVD mit der lokalen Musik?

Ich war im Oktober eine Woche in Rom. Als ich nach Hause flog, war mein Koffer schwerer als auf der Hinreise; gut beladen mit italienischen Spezialitäten. Vieles liebe ich an Italien, vieles gefällt mir besser in meiner Wahlheimat Dänemark.

Ich habe dort, in der quirligen Metropole, zumindest die Stille und die Ruhe und die Weite Dänemarks vermisst. Und die saubere Luft.

Jeder von uns kennt das: Man kommt heim und sobald der Alltag uns wieder hat, wünschen wir uns zurück auf eine Insel des Urlaubs.

Svenja Lorentz, die Hauptperson in „Ein kleines Stück Paris“, geht genau den anderen Weg. Sie ist engagiert, nicht nur als Lehrerin, sondern auch als Schwester und Tochter und vergisst darüber leider auch oft auf sich selbst acht zu geben, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören. Die Rechnung muss sie dann bezahlen, in Form von einer Depression, einem Stresssyndrom, einem Burn Out. Die Gefühle in dieser Situation, die Ohnmacht, die Kraftlosigkeit, die Hoffnungslosigkeit sind von Jarré sehr real beschrieben. Ich hatte vor einigen Jahren eine Depression im engsten Familienkreis und kann nur sagen, ich habe diese ersten Seiten gelesen, als wenn alles noch einmal vor mir auftauchte. Das war auch beklemmend, denn diese Situation sollte niemand erleben, weder als Angehöriger noch als Betroffener.

Doch Svenja hat Glück, denn gerade in dem Moment erfährt sie, dass ein “unmöglicher” Onkel, der sich in Paris angeblich mit dubiosen Geschäften und Nutten abgab, ihr etwas vererbt hat. Nicht viel, nur 8 qm Paris – aber für die geplagte Svenja ist das mehr als genug. Ein Rückzugsort, den sie dringend braucht.

Doch auch in Paris gibt es Herausforderungen … Ein Immobilienhai, der so einen kleinen Fisch wie Svenja täglich als Vorspeise verzehrt, will Svenja aus dem Haus auskaufen, und dann ist da ist auch noch ein äußerst attraktiver Musiker, der sich in Svenjas Leben spielt. Und die Frage ist, ob sie ihr Leben in den Griff bekommt …

Ich habe Yvonne Jarrés Roman „Ein kleines Stück Paris“ mit Begeisterung gelesen; die Geschichte ist luftig leicht wie die leckeren Macarons, die die Titelseite schmücken.

Für jemanden wie mich, der leicht frankophil angehaucht ist und Motorräder liebt, ist dieses Buch einfach ein Genuss, bei dem man in jeder Hinsicht auf seine Kosten kommt.

Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet, rund und quirlig, voller Leben. Und sie sind mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Charme sofort in mein Herz gestolpert. Jarré hat eine wunderbare Schreibe, kein Wort ist zu viel, und so taucht der Leser gerne in die Geschichte ein.

Tja, ich habe nun Lust auf ein kleines Stück Paris. Es ist wirklich viel zu lange her, dass ich dort war. Und auch viel zu lange her, dass ich Macarons gegessen habe.

Gönnen Sie sich diesen kleinen Ausflug nach Paris und träumen Sie ein bisschen von einer Welt, wo Menschen immer noch daran wachsen, weil sie sich für andere einsetzen. Da war für mich die beste Botschaft in diesem Buch.

Bon soir, mes amis!

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