„Teufelstritt“ – Buchbesprechung und Fragen an die Autorin

Julia ist endlich da, wo sie immer sein wollte und sich zu Hause gefühlt hat: Sie ist Försterin im ehemaligem Forst ihres Vaters. Alles wäre perfekt, wenn die Dorfgemeinde nicht so verschlossen wäre. Alle Versuche, sich in der alten Heimat zu integrieren, perlen an den Dörflern ab wie Wasser an einer Öljacke.

Julia ist alleinerziehend und religiös entwurzelt. Das wird im örtlichen Gemeindekindergarten nicht gerne gesehen. Nur die frömmelnde Theresa hält zu Julia und ihren Sohn, egal, was die Leute munkeln. Sie steht sogar noch zu ihr, als Julias Leben im Wald wieder einmal eine radikale Wendung nimmt. Als Kind hatte Julia dort an einem Weihnachtsabend bei einem Unfall mit Fahrerflucht ihre Eltern und damit auch ihr Zuhause verloren. Diesmal zerfetzt ein Schuss ihr neu aufgebautes Leben.

Julia, die kurz darauf ihren Vorgesetzten erschossen am Waldboden findet, ist die einzige Tatzeugen. Das sie den Gutherren nicht mochte und am Abend vor dem Mord sogar einen handfesten Streit mit ihm ausgefochten hatte, ist kein Geheimnis. Das wirft kein gutes Licht auf sie, als sie ihn am nächsten Morgen erschossen am Waldboden auffindet.

Die Lage spitzt sich zu, als der Täter auch Julia aus dem Weg räumen möchte. Was haben alle diese Übergriffe mit dem Unfall ihrer Eltern vor vielen Jahren zu tun? Wer verschweigt ihr, was damals wirklich passiert ist? Aber alle schweigen, bis die Situation eskaliert.

Ursula Hahnenbergs Krimi „Teufelstritt“ ist ein überzeugendes Debüt und hat genau die richtige Kombination aus Spannung und Bedrohung. So schön und friedlich der Wald ist, so einsam und bedrohlich wird er, wenn man um sein Leben kämpft.

Geschickt verbindet die Autorin die Schicksale der Personen; zeigt, wie die Vergangenheit in das Leben von Julia und den Dorfbewohnern reinreicht und sie bedroht. Ein Buch, das einem den Schauder über den Rücken jagt und das man ganz sicher nicht aus der Hand legt.

Lesen Sie hier die Antworten der Autorin Ursula Hahnenberg auf meine Fragen:

Warum haben Sie Ihren ersten Roman in den Wald verlegt?

Der Wald ist ein zwiespältiger Ort. Einerseits bedeutet er für uns Erholung, Entspannung von unserem oft gestressten zivilisierten Leben. Andererseits ist der Wald immer auch ein wenig unheimlich, unberechenbar. Der ideale Ort für einen Krimi.

Welche Person mögen Sie am meisten und warum?

Neben Julia, der Protagonistin, die ich wegen ihrer vielen Ecken und Kanten mag, ist natürlich Martha, Julias Großmutter meine Favoritin. Oma ist so etwas wie ein Idealbild der Großmutter und mir gefällt sehr, dass ich die Möglichkeit hatte, hier eine etwas ungewöhnlichere Mehrgenerationenfamilie darzustellen. Bei vielen, auch bei mir, wohnen die Großmütter nicht um die Ecke.

Sie verbinden eine Überlieferung von einem Teufeltritt mit einer der Personen ihres Romans. Was gab Ausschlag zu dieser Idee?

Den Teufelstritt, den ich beschreibe, gibt es in der Pfarrkirche im niederbayrischen Zulling. Als Kind habe ich in der Nähe gelebt und musste öfter mal dahin wandern. Deswegen ist mir die Sage gut in Erinnerung geblieben.

Was macht für Sie einen guten Krimi aus?

Ein guter Krimi muss vor allem spannend sein. Der Plot muss sehr sorgfältig konstruiert werden, die Handlung muss den Leser ins Buch ziehen, aber die Personen sollten trotzdem fein gezeichnet sein. Ich mag es aber auch sehr, wenn Stereotype gebrochen werden.

Worin liegt die Herausforderung für eine Krimiautorin?

Darin, einen guten Krimi zu schreiben? Ich denke, man muss immer wieder über sich selbst hinauswachsen, aber das gilt nicht nur für Autorinnen.

Wird es einen Nachfolgeroman mit Julia und ihrer Familie geben?

Ja, Julia wird sich noch einmal mit einem Mörder herumschlagen müssen, im Frühjahr 2017.

Was ist Ihr persönlicher Rat an angehende Autoren?

Nicht aufgeben, immer weiter arbeiten, schreiben und lernen. Und lesen

 

Neugierig geworden? Dann geht es hier zur Leseprobe.

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