Dies und das aus meinem Fass …

IMG_1396In der Kürze liegt die Würze –

auch beim Überarbeiten eines Romanmanuskripts.

Jetzt ist der Text geschrumpft, auf 250 Seiten, und das ist gut so. Im Februar wird das Lektorat einen Blick auf die Seiten werfen, und dann kann es theoretisch nicht mehr lange dauern, bis das lange versprochene Buch kommt. Weil ich es aber schon unzählige Mal angekündigt habe, halte ich jetzt meinen Mund. Asche auf mein Haupt …

Neben dem Überarbeiten und Redigieren habe ich weiter gearbeitet. Der dritte Band der Madsens ist zu ¾ fertig. Im ersten Guss. Ob er bis zu den Sommerferien das Licht der Welt erblickt? Ich hoffe es, denn ich muss den Kopf frei haben. Wofür?

Zum Jahreswechsel habe ich beschlossen, das ich mich auf einem neuen Gebiet versuche. Ich werde endlich die zwei historischen Romane schreiben, die mir schon seit Jahren keine Ruhe lassen.

Deshalb muss der Kopf frei sein, für die Recherche zu dem ersten Roman und seine Menschen. Jetzt habe ich endlich Mut, ihn in Angriff zu nehmen und mich den Geschichten zu stellen. Daran ist die politische Situation nicht ganz unschuldig.

Nein, liebe Charly, wenn du hier mitlesen solltest, es ist noch nicht mein Shanghai Projekt, sondern ein historischer Roman über Grönland. In der Kälte möchte ich mich warmschreiben für Shanghai. Diese zwei Projekte, die muss ich fertig bekommen, bevor ich sterbe. Nicht, dass jetzt jemand sich Sorgen um mich macht oder auf ein Erbe spekuliert. Mir geht es blendend und ich rechne nicht damit, hier und jetzt zu sterben. Aber einige Sachen sollte man nicht auf die lange Bank schieben. Das schuldet man sich selbst. Danke an Charly für diese Erkenntnis. Sicher bist mir gerade darum über den Weg gelaufen! Virtuell, aber dafür richtig gut!

Ich hab mich schon in Quellentexten vergraben und werde bald in Nuuk in der Nationalbibliothek und im Nationalmuseum vorbeischauen. Ich habe Herzklopfen, so spannend ist das. So erfrischend wie die arktische Luft!

Und ganz langsam verliebe ich mich in die Personen, vor allem in den Grönländer Baba, einen Inuit … aber von ihm erzähle ich euch später mehr.

Genug Projekte? Nein, noch nicht. Im Februar werde ich an einer sechsmonatigen Weiterbildung für Lektoren teilnehmen. Darauf freue ich mich sehr. Sie schenkt mir eine wunderbare Reise nach Bamberg!

Dies sind viele Projekte. Und mein Tag hat 24 Stunden. Ich würde gerne vom Schreiben leben, aber neben dem Schreiben bin ich auch Ehefrau, Mutter, Freundin, Kollegin, Schwester, Tochter, Seelsorgerin, Hamstermama, Leseratte, Köchin, Teetrinkerin, Geniesserin, Kursleiterin und einfach ich. Wenn ich das alles in Betracht ziehe, dann bin ich stolz und finde, dass es doch nicht lange gedauert hat, bis das neue Buch herauskommt. Meistens bin ich ungeduldig und will so vieles so schnell. Aber das bringt nichts.

Und wie geht es mir sonst?

Ich bin traurig, sehr entsetzt über die Flüchtlingssituation im allgemeinen und über die dänische Flüchtlingspolitik im besonderen. Manchmal kann ich meine Wahlheimst, die ich liebe und schätze, nicht wiedererkennen.

Ich habe keine Angst vor Fremden, sehe immer noch den Menschen vor mir im S-Zug, aber ich habe Angst, was die Worte anrichten, die immer wieder in die Welt geschleudert werden und die (Feind) und (Angst)Bilder, die wir damit heraufbeschwören. Ich habe Angst, abgrundtiefe Angst, dass wir alle unsere Menschlichkeit verlieren. Dann gewinnt IS, wenn wir das zulassen, vielmehr als wenn sie geographisches Gebiet erobern.

Diesen Sieg will ich niemanden geben. Ich wünsche mir eine Welt, wo Menschen aufeinander achtgeben – so wie Baba es im Grönlandroman macht. Baba hat wirklich gelebt – und er wird den Namen behalten. Denn er verdient mit seiner Menschlichkeit und seinem Mut niemals vergessen zu werden. Von den Inuits können wir lernen. Vielleicht heißt Grönland deshalb „Das Land der Menschen“.

Und ansonsten? Ich habe mich beim Überarbeiten gewundert, wie oft meine Protagonisten

  • seufzen
  • die Augenbrauen heben
  • lächeln (wahrscheinlich wünsche ich mir abgrundtief, dass die Menschen mehr lächeln!)
  • Männer breite und raue Hände haben (ja, ich steh auf den nordisch herben Typ!)
  • und ich Füllworte gebrauche wie so, einfach, immer, doch
  • tja, und ich habe beim Kürzen gemerkt, dass weniger Kitsch viel mehr Atmosphäre schafft.

Alles in allem ein Abend, wo ich zufrieden ins Bett gehe.

Ach ja, soll ich Grönland von euch grüßen? Ich wünsche euch allen Menschen, die ein Lächeln auf euer Gesicht zaubern und den Glauben an das Gute in euch nähren. Und das ihr eure Menschlichkeit bewahrt. Was sind wir ohne sie? Und wie sähe dann unsere wunderschöne Welt aus?

 

Das Foto habe ich im Riddersal aufgenommen. Es zeigt  eine der Gobelins, die Königin Margrethe II entworfen hat. Es ist die Geschichte unseres Jahrhunderts …  Wie schreiben wir -du und ich – diese Geschichte weiter?

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