Alle Jahre wieder … kommen die illegalen Migranten und die Obdachlosen in unserer Stadt zum Vorschein, wenn es kälter wird. So auch dieses Jahr und mir bricht das Herz über so viel Armut und Leid auf den Straßen unserer Stadt.

Vor einigen Wochen erhielt ich eine Mail von einer Bekannten aus Frankreich. Sr. Eliane habe ich zum ersten Mal getroffen, als ich 16 war, und seitdem haben wir immer wieder Kontrakt gehabt. Inzwischen hat sie ein Kloster in Rumänien gegründet.

Sr. Eliane bat mich um Hilfe. Einer ihrer Bekannten, ein junger Rumäne Ende 30, war in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Kopenhagen gezogen.

Einer von so vielen, die mein Mann nachts in der Fußgängerzone, dem Strøget, trifft, wenn er mit der Mobilkirche unterwegs ist. Sie schlafen in den Hauseingängen oder auch in Taxi-Fahrrädern.

Dieser junge Mann hatte seine Freunde – seine Familie ist tot – angerufen: Er hatte bisher kein Glück in Dänemark gehabt, seine Papiere wurden mehrmals gestohlen und er schlief in einem Schlafsaal. Ob ich helfen könnte?

Nun, ich wollte schon, aber nicht immer ist das so einfach. Trotzdem fühlte ich, dass ich hier in die persönliche Verantwortung gerufen war. Menschen, die mich kannten, vertrauten auf mich. Der Obdachlose hatte einen Namen, wir hatten gemeinsame Freunde, er hatte eine Geschichte.

Es wäre so schön, wenn man die Welt ein wenig zum Besserem verändern könnte, ein wenig über seinen eigenen Tellerrand hinausblicken könnte, ein wenig Sternenstaub und Weihnachtsliebe verbreiten könnte.

Ich versuchte einen Notruf in meinem Netzwerk zu verbreiten. Und die Reaktionen waren sehr unterschiedlich – wohlwollend und ablehnen, hilflos, abweisend und müde lächelnd. Da ist nichts zu machen. Er könnte vielleicht Flaschen aus dem Abfall sammeln oder evt. war es besser, in die Kleinkriminalität zu rutschen, denn dann ist man wenigsten gut versorgt im dänischen Gefängnissen.

Ich wusste selbst, hier musste ein Wunder her. Und ich wünschte mir so sehr, dass es geschehen könnte, dass wir unsere Herzen und Türen öffnen würden.

Irgendwo dachte ich vor allem an das bevorstehende Jahr der Barmherzigkeit. Das bedeutet auch Barmherzigkeit konkret. Und ich dachte an die Weihnachtsbotschaft … und es war kein Platz in der Herberge. Sprich und es war kein Platz in meinem Leben, in meinem Herzen … oder vielleicht doch? War Platz in meiner Welt? Sicher könnte ich nicht die Welt retten, aber vielleicht die Welt zu einem besserem Platz für diesen einen Menschen machen.

An dem Tag, wo das Jahr der Barmherzigkeit eröffnet wurde, antwortete eine Bekannte, sie hätte ein Gästezimmer für eine Woche. Das war nicht die Welt, aber ich dachte, hier fängt die Reise an. Und in der Woche ist ein Wunder geschehen. Mit den Kontakten dieser Familie hat der junge Mann auch eine Arbeit gefunden.

Er konnte schon zwei Tage nach dem Bewerbungsgespräch anfangen. Die Wohnung fehlt noch, aber der erste Schritt ist getan.

Für mich ist damit ein Weihnachtswunder eingetroffen: Ich habe wieder gelernt, an das Gute und das Wohlwollen der Menschen zu glauben. Ich habe gesehen, dass wir gemeinsam wirklich etwas zum Guten verändern können und ich habe einen Zipfel der Weihnachtsbotschaft in meinem Leben greifen können. Davon gab es viele Zipfel in diesem Jahr, aber dieser strahlt am hellsten.

Danke allen, die in dieser Zeit mit dabei waren.

Sollte jemand helfen wollen, dann könnt ihr mich kontaktieren. Euch allen eine wunderbare, gesegnete und hoffnungsvolle Weihnacht. Mehr als jemals zuvor brauchen wir das, was uns vor über 2000 Jahren versprochen wurde. Aber das Kind liegt dort, die Arme ausgestreckt, damit wir es aufnehmen und an unser Herz drücken.

Danke für alles, was ihr in eurem Netzwerk tut. Teil gerne eure Geschichten, denn sie machen Mut und das ist es, was wir brauchen!

2 Comments on “Mein Weihnachtswunder …

  1. Das ist sehr nett von dir. Leider ist das inzwischen so, dass man voreingenommen ist, weil es in diversen Städten eben Banden gibt, die sich nicht mit Ruhm bekleckern und die Menschen immer mehr negative Erfahrungen machen. Die ehrlichen unter ihnen leiden natürlich darunter.

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    • Stimmt, Emma, das ist bei uns nicht anders. Aber wir vergessen oft, dass hinter jedem Gesicht eine menschliche Geschichte steht. Als ich nach Dänemark gezogen bin, hatten die Deutschen hier im Land auch nicht den besten Ruf nach der Kohl Ära, oder wegen der Besatzungszeit unter den Nazis. Oft war daran auch das Autreten heutiger deutscher Touristen schuld. Das hat sich geändert.
      Was für mich an dieser Erfarhung so wichtig war, war vor allem, dass wir gemeinsam viel ausrichten können und das es wirklich wichtig ist, den Menschen zu sehen. Dann ist die Berührungsangst auch nicht so gross. Dir eine frohe Weihnacht und alles Liebe für das kommende Jahr.

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