Maria Zaffarana: Im Jenseits gibt es keine Pralinen

Eigentlich schade, finde ich genauso wie der Protagonist Alfred des phantastischen Künstlerromans von Maria Zaffarana, das es im Jenseits keine Pralinen gibt. Womit versüsst sich mann oder frau denn sonst das Leben?

Die Autorin war so nett, mir ein Rezensionsexemplar zu schicken. Ansonsten wäre ich wahrscheinlich nicht über den Titel gestolpert, aber die Lektüre – so ungewohnt der Rahmen für mich war – hat sich gelohnt. Pralinen gibt es nicht, aber Wortkonfekt zuhauf und es wimmelt in diesem Künstler-Roman von Überraschungen, sprich auch Autoren. Im Jenseits, wo der Held viel zu früh und unerwartet gelandet ist, trifft er seinen hochverehrten Autorenidol Böll. Wenigstens etwas Gutes hat diese Zeitreise schon. Allerdings ist auch bei Böll ein wenig der Glanz ab.

Wie ist es denn nun im Himmel, sorry Jenseits? Erwarten Sie bloss keine Choralgesänge oder schwebenden Luftwesen. Das wäre auch zu langweilig für einen Roman, denn hier braucht es Konflikte und Spannung. Gut, es gibt es schon so was wie ein Gericht. Nur dass es Syndikat heisst und mich fast an die Mafia erinnert. Erstaunlich ist auch, wie es dort aussieht – Farben, Blüten, Menschen, doch fast alle beziehungslos.

Es mutet eher wie die Hölle oder das Fegefeuer an, dort wo unser Held gelandet ist. Und sicher ist er ja selbst auch nicht, wo es ihn hin verschlagen hat. Sicher ist nur, dass er nicht mehr lebt. Schliesslich sieht er sich selbst auf den Boden der Küche liegen, schlapp wie eine Mettwurst, in einer Blutlache, und inmitten der ekligen Krümmel.

Ob der Tote sympathisch ist? Anfangs ja, aber die Sympathie für ihn hat sich bei mir verflüchtigt. Irgendwann tat er mir nur leid mit dem Leben und der Vergangenheit, die ihn auch immer noch im Jenseits plagt. So ein armes Schwein aber auch. Im Leben wie im Nach-Leben.

Das Buch ist ungewöhnlich – vom Konzept, von der Verarbeitung, der Humor ist trocken und spröde und es gibt genug Situationskomik. Zum Schluss sitze ich da und denke: Geniess das Leben, mach das Beste draus.

Maria Zaffarana hat eine runde Sprache, die die Situation gut einfängt. Gönnen Sie sich das Buch. Sie werden lachen, schmunzeln, überrascht sein und vielleicht auch weinen über das arme Schwein, das da viel zu früh verstorben ist. Mehr sei nicht gesagt. Vielmehr: Lesen Sie selbst.

Der Titel ist zu bestellen über Amazon.

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