Morgen ist der Wahlkampf hier vorbei.

Und ich bin ehrlich gesagt, auch wenn ich als Ausländer kein Wahlrecht habe, froh, dass es vorüber ist – und die Dänen dann hoffentlich Verstand genug hatten, fähige Politiker zu nominieren.

Mir ist vieles zu eng geworden in den letzten Jahren, es wird zu sehr eigene Nabelschau betrieben, zu sehr Fokus auf das Individuum und der Verlust von Globalität, von Weite, vom Offenheit, was dieses Land doch immer geprägt hat und warum ich es so sehr liebe. Dieser Wahlkampf wird fast nicht von politischen Themen, sondern von persönlicher Hetze und anderen Dingen geprägt.

Es wird spannend, denn die beiden Spitzenkandidaten überzeugen nicht, neuere kleinere Parteien gewinnen Land. Aber wer kommt an die Macht?

Diesmal ist es allerdings das erste Mal, dass es mich stört, das ich keine Stimme habe – schliesslich lebe ich hier und die, die gewählt werden, werden auch über mein Leben bestimmen.

Gut, ich könnte die Staatsbürgerschaft beantragen. Aber ich fühle mich doch immer noch als Deutsche und Dänin zugleich und als Dänin und Deutsche. Margrethe ist meine Königin und Angela Merkel meine Kanzlerin. Ich bin in beiden Ländern zu Hause und doch auch in keinem.

Allerdings habe ich heute einmal schlucken müssen, als eine sehr engagierte Politikerin mit türkischen Wurzeln erzählte, wie sie sich auf das Ende des Wahlkampfes freut, weil sie immer mehr beschimpft wird. Ich hatte dann geschrieben, dass ich – als nicht Däne – meine, man solle, egal, wo man nun politisch steht, einfach jeden Menschen respektieren, dass das andere – die Hetze, die keine Politik ist – mich enttäuscht, weil es so weit weg von den Werten ist, die ich zu Anfang meiner Zeit hier im Land so bewundert habe.

Ich habe ganz ganz viele Smileys bekommen, aber leider auch jemanden, der meint, dass das einzige Problem in Dänemark sei, dass man Ausländern überhaupt erlaubt, den Mund aufzumachen.

Mir kann es egal sein. Es ist ja auch nicht klar, ob er Özlem oder mich meinte, aber diese Gedanken, die machen mir Angst. Denn sie sind genauso menschenverachtend wie andere Fundamentalisten.

Ich wünsche mir für morgen, dass meine Mitbürger sich entscheiden, den Menschen – Junge, Alte, Kranke, Farbige – ins Zentrum der Politik zu stellen, für die Umwelt einzutreten, für gerechte Wirtschaft, Sorge für die Schwachen und dass man die Entwicklungshilfe nicht kürzt, aber auch konsequenter gegen IS vorgeht. Ich wünsche mir ein Land, das bunt ist und wo die, die Respekt vor dem Menschen haben, ihren Mund öffnen dürfen.

Wenn nicht, dann frage ich mich: Wie konnte es nur so weit mit diesem wunderbaren Land kommen? Denn es sind die Menschen, die entscheiden. Auch morgen.

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