Danke, Ednor, das du dich für dieses Interview bereit erklärt hast. Ich kenne dich von Facebook und outet mich hier einmal: Dieses Jahr habe so auch einige deiner Weihnachtsbücher gelesen, weil ich wissen wollte, wie du schreibst. Und ich war wirklich begeistert, wie du mich in die Geschichte hineingezogen hast. Und so dachte ich, ich würde dich mit diesem Interview gerne ein wenig besser kennenlernen und anderen dein Wissen rund ums Schreiben vermitteln.

Wer steckt hinter dem Namen Ednor?

10906329_766486003400119_8973150622033079832_nOh je, das sind so Fragen, die mich immer ratlos machen. Hinter Ednor steckt eben Ednor, eine Frau mit einem ziemlich doofen Vornamen. Keine Ahnung, was sich meine biologische Mutter dabei gedacht hat. Ich bin, laut Aussage meiner Mitmenschen, ziemlich ehrgeizig, sage meine Meinung und bin wohl auch für viele unbequem. Dummes Geschwätz bringt mich auf die Palme, Intoleranz und Verlogenheit ebenfalls und ich trage mein Herz nicht unbedingt auf dem Herzen.

Wann hast du angefangen zu schreiben?

Schon früh. Ich habe mit sechs oder sieben Jahren die ersten Sonja-Bücher geschenkt bekommen, die ich liebte. Damals habe ich angefangen, mir eigene Sonja-Geschichten auszudenken und aufzuschreiben. Meine ersten Geschichten wurden dann veröffentlicht als ich 13 war und zwar im Berliner Telegraph. Den gibt es heute nicht mehr, was aber nicht an meinen Geschichten lag, lach.

Wie war dein Werdegang und in welchen Genres bist du zu Hause?

Wie gesagt, ich fing mit kleinen Kolumnen auf der Kinderseite an. Später kamen regelmäßige Aufträge hinzu mit denen ich mein Gesangsstudium finanzierte, denn meine Pflegemutter hielt absolut nichts von meinen künstlerischen Berufsplänen. Für sie war das ‚Quatsch‘ und sie tat alles, um mir Steine in den Weg zu legen.
Meine Genres sind Liebesromane, Krimis und Erotik. So, die reine Romanze ist aber nicht mein Ding. Es muss schon ein bisschen was passieren. Bei Krimis mag ich am liebsten die Psycho-Geschichten. Ich beleuchte gerne die Hintergründe und führe die Leser gerne auf falsche Fährten. Na ja, und bei der Erotik muss es zwischen den Zeilen knistern. Außerdem muss als Basis eine nachvollziehbare Geschichte erzählt werden, die die durchaus expliziten Sexszenen erklären und als logische Folge erklären. Diese reinen Pornsachen liegen mir nicht.

Du schreibst für den Kelter Verlag. Wie darf ich mir diese Zusammenarbeit vorstellen?

Oh, das ist lange her, dass ich für Kelter geschrieben habe. Tatsache ist, dass ich dort meine ersten Heftromane veröffentlicht habe und damals einen Superlektor hatte, der mir quasi die Grundlagen des Schreibens beigebracht hat, also wie eine Normseite aussehen muss, wann Absätze gemacht werden, wie ein Exposee aussehen soll, eben das Technische des Berufs. Das war absolut unüblich, aber irgendwie hatte ich damals mit diesem Lektor einfach Glück.
Die Zusammenarbeit mit einem Heftiverlag ist ungefähr so, wie die mit einem Buchverlag. Du hast feste Lektoren und feste Abgabetermine. Da Bücher aber umfangreicher und die Handlungen explizierter sind, ist es im Allgemeinen so, dass man sein Heftmanus abgibt und allenfalls erfährt, wie es dem Lektor gefallen hat. Bei Büchern wird während der Arbeit am Manuskript schon immer mal das vorliegende Material besprochen.

Was sind die Vorteile einen Hausverlag zu haben im Gegensatz zu den Selfpubishern?

Man braucht sich nicht um den Vertrieb und die Werbung zu kümmern. Als Selfpublisher muss man die Preise selber kalkulieren, sich ums Layout, das Lektorat, das Cover und noch vieles mehr kümmern. Kurz, im Grunde kann man sich als Autor mit Hausverlag nur ums Schreiben kümmern. Alles andere erledigt der Verlag.

Hast du bestimmte Rituale oder Ticks, wenn du schreibst?

Nö, keine Rituale oder so. Das Einzige, was ich brauche ist Musik und normale Lebensgeräusche. Ich hasse es abgrundtief, wenn um mich herum absolute Stille herrscht. Da kriege ich keinen Buchstaben auf den Bildschirm.

Was fasziniert dich beim Schreiben?

Immer wieder der Frage Was-wäre-wenn nachzugehen. Schicksale und Menschen zu erfinden, die diese Schicksale erleben. Mich in meine ganz eigene Welt versetzen zu können, in die mir niemand folgen kann. Jedenfalls so lange nicht, bis die Rohschrift des Manuskripts fertig ist. Hin und wieder möchte ich mit meinen Texten auf Probleme hinzuweisen oder Kritik betreiben. Und auch, dass ich mich ganz respektlos über bestimmte Menschentypen lustig machen kann.

Welche Autoren sind deine Vorbilder?

Vorbilder gibt es viele. Zum Beispiel Heinrich Mann, sein Untertan ist ein Meisterwerk der Gesellschaftskritik und Weitsicht. Sidney Sheldon kann wunderbar spannend erzählen, Fontane und Lessing, ach es gibt viele, deren Stil und Technik ich bewundere. Ihren Stil kopieren würde ich aber nie. Sowas kann nur schief gehen. Ihre Techniken und Tricks gucke ich mir aber schon ab.

Wenn du mit einer Geschichte schwanger gehst, was hast du zuerst auf dem Papier – den Plot oder die Figuren?

Den Plot. Ich entwerfe grob die Handlung, dann überlege ich mir die passenden Figuren dazu.

Warum schreibst du Liebesromane? Was fasziniert dich an diesem Genre?

Es ist ein total abwechslungsreiches Genre. Bei Liebesromanen denken die Leute immer an Lore-Romane und rümpfen die Nasen. Aber das Genre ist unheimlich breitbandig. Angefangen bei der typischen Paar-lernt-sich-kennen-Geschichte, über den Krimi, den Historischen Roman und die Fantasy spielt die Liebesgeschichte immer eine der tragenden Rollen. Es ist einfach so, dass sämtliche Literatur auf den drei Säulen Liebe, Macht und Geld basiert.

Im Übrigen möchte ich hier gerne mal eine Lanze für die Heftis brechen. Sie sind ein wunderbarer Einstieg in den Schriftstellerberuf. Man lernt sich an feste Seiten- oder Anschlagszahlen zu halten, genaue Plotpoints zu setzen, einen exakten Spannungsbogen auszuarbeiten, zielführende Dialoge zu entwerfen – kurz, man erlernt das Handwerk des Schreibens von der Pike auf. Es gibt eine ganze Menge sehr bekannter Autoren, die im Heftibereich angefangen haben. Und es gibt etliche Verlage, die gerne mit ehemaligen Heftiautoren arbeiten, weil sie wissen, dass die Leute ihr Handwerk verstehen und diszipliniert arbeiten.

Was ist das Beste, was Leser dir als Autorin geben können?

Wenn sie sagen, dass sie während der Lektüre eines meiner Bücher ihre Realität vergessen haben, sich entspannen und schmunzeln konnten, in die Geschichte eingetaucht sind und/oder einen Protagonisten ins Herz schließen konnten..
In diesem Zusammenhang, lieben Dank für dein Lob. Genau das, was du gesagt hast, dass du dich gut unterhalten gefühlt hast, ist das, was ich mit meinen Storys erreichen möchte.

Und nun ein paar Ratschläge für alle, die schreiben: Wie erweiterst du deinen Wortschatz?

Durch lesen, lesen, lesen und wenn mir ein unbekanntes Wort begegnet, nachschlagen im Wörterbuch.

Du bist ein Vielschreiber – was Seiten und Genres angeht. Wie gehst du mit Schreibblockaden um?

Meine leider inzwischen verstorbene Lektorin bei Bastei-Lübbe riet mir damals, als ich eine Blockade hatte, trotzdem weiterzuschreiben. Wenn ich aufhörte, würde die Blockade nur chronisch werden. Ich habe also Seiten und Seiten gefüllt und wieder gelöscht. Aber dann, nach ein paar Tagen ist der Knoten geplatzt.

Was würdest du jungen Autoren raten?

Die Antwort möchte ich gerne unterteilen.

Erstens die emotionale Seite des Berufs: Ich kann nur jedem Neuling raten sich eine dicke Hornhaut auf der Seele zulegen. Es wird jede Menge Absagen von Verlagen und Agenturen geben, bis sie einen finden, der sie aufnimmt. Und dann verkraften, dass das Baby nicht sofort in die Bestsellerlisten aufsteigt. Am wichtigsten: Sobald es draußen ist, kritisiert jeder daran herum. Schlechte Rezis sind das Brot eines jeden, der mit irgendetwas in die Öffentlichkeit tritt. Also, damit abfinden. Und im Übrigen, von schlechten aber fundierten Rezessionen kann man als Autor nur lernen. Das Trollgelaber sollte man dagegen einfach abhaken.

Zweitens, die berufliche Seite: Schauen Sie sich an, welche Tricks die anderen Autoren anwenden und wie sie ihre Geschichten erzählen und besuchen Sie Seminare, die Schreibwissen vermitteln.
Dann sollten Sie Ihre Manuskripte nicht wild herumschicken, sondern sich im Internet kundig machen, welche Verlage das Genre im Programm haben. Ansprechpartner suchen, anfragen, ob Interesse besteht und dann das Manuskript an genau diesen Lektor schicken. Damit hat man eine größere Chance angenommen zu werden, als wenn man seine Arbeiten wie Konfetti herum schmeißt. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne das Handbuch für Autorinnen und Autoren aus dem Uschtrinverlag empfehlen. Dort findet man all diese Informationen über Verlage und Agenturen, die seriös arbeiten.
Auch wichtig: Geben Sie ihre Story Testlesern, die viel Leseerfahrung haben und die NICHT mit Ihnen, dem Autor, verwandt, bekannt oder befreundet sind. Ein guter Testleser spürt die Schwächen in einem Manuskript auf und wird sie dem Autor mitteilen und zwar nach dem Motto: Ich bin Ihr Testleser, nicht Ihre Mutter. Mir muss es nicht gefallen!

Welches Buch hat dich in der letzten Zeit am meisten beeindruckt und warum?

Die Rüpelrepublik. Der Autor geht der Frage nach, warum unsere Gesellschaft immer egoistischer wird. Sehr interessant nicht zuletzt deshalb, weil man einiges darin auch an sich selber entdeckt.

Und dann einfach noch was ganz Privates: Welches Buch liegt gerade neben deinem Bett?

Was Humoriges: Bis die Ärztin kommt. Die Autorin ist selber Ärztin und schreibt über den täglichen Wahnsinnsbetrieb, der sich Krankenhaus nennt. Dann Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwandt, sowie Legenden der Countrymusik und Pfefferkuchenhaus.

Danke, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast! Viel Spaß beim Plotten und Schreiben deines nächsten Buches!

Ich danke dir für die Zeit, die du mir gewidmet hast.

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