fyÐIch korrigiere gerade meinen Weihnachtskurzroman „Schneemann küsst Schneefrau“, der Ende Oktober erscheinen wird. Ich feile um jedes Wort, ich straffe den Text und würze die Dialoge. Und während ich über den Worten brüte, denkWas hat Orwellsche Prosa mit einem Weihnachtsroman zu tune ich immer wieder an die sechs Regeln, die George Orwell in seinem Essay als Standard für gut lesbare Prosa aufgestellt hat.
Befolgst du diese Regeln, so meint Orwell, liest sich dein Text gut. Dein Text wird kein Nobelpreisträger, aber ein guter Unterhaltungsroman, und durch eine Prosa glänzen, die so klar ist wie eine geputzte Glasscheibe. Alles in diesem Text wird die Geschichte unterstützen, denn nichts verstellt den Blick auf die Dinge hinter der Scheibe oder verschleiert sie.
So wurden die Klassiker guter Unterhaltungsliteratur konzipiert. Und sie haben nicht nur einen großen Unterhaltungswert, sondern sie erscheinen auch zeitlos – man denke nur an Texte von Agatha Christi, Arthur Conan Doyle und andre.

 Und hier kommen Orwells sechs Ratschläge:

1. Eine Redewendung oder Metapher, die du schon mehrmals gehört hast, ist abgedroschen und macht den Text flach. Vergiss sie also. Allerdings ist es nicht immer einfach, gute Redewendungen, Vergleiche und Metapher zu finden.

2. Benutze nie ein langes Wort, wenn du ein kurzes gebrauchen kannst. Denn lange Wörter irritieren den Leser und halten ihn auf. Vermeide deshalb auch zusammengesetzte Wörter.

3. Wenn du ein Wort weglassen kannst, dann tu es. Wenn du sprichst, wiederholst du dich, auch um das, was du sagen willst, zu unterstreichen. Aber dein Text fordert Klarheit. Langatmigkeit hält deinen Leser auf, vor allem, wenn du spannend schreiben willst.

4. Schreib aktiv. Alle passiven Sätze verschleiern, wer eigentlich handelt. Passivkonstruktionen eignen sich nur, wenn dein Held etwas erleidet. Deine Figuren sind für den Leser spannend, wenn sie handeln. Deshalb sollst du immer eine aktive Sprache – und kein Beamten- und Juristendeutsch gebrauchen.

5. Benutze Begriffe aus der Alltagssprache. Fachbegriffe gehören in wissenschaftliche Arbeiten und nicht in literarische Texte. Sonst grenzt du deinen Leser schnell aus, und erreichst ihn nicht mehr. Fachbegriffe gehören zur Insidersprache, und sie grenzen aus.

6. Brich jede Regel, wenn sie dir wichtig erscheint – z.B. Regel 5: Wenn deine Heldin eine Fachfrau ist, kann es notwendig sein, dass sie auch so redet. Generell aber sagt diese Regel: Dein gesunder Menschenverstand weiß, dass es nie gut ist, sich sklavisch an Regeln zu halten. Aber Regeln solltest du erst brechen, wenn du sie beherrscht und kennst.

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